Der Nutzer steht somit stets vor der verstörenden Frage, ob die Szenen auf seinem Bildschirm auch wirklich echt sind.Auch Websites wie und bringen Fremde nach dem Zufallsprinzip zu Online-Chats zusammen – allerdings ohne Web-Cam-Übertragung.

Die nächste Webcam zeigt nur eine unscharfe, fleischfarbene Masse an. Chat Roulette untersagt zwar „obszönes, verletzendes, pornografisches Material“ und kündigt an, dass entsprechende Nutzer blockiert werden.

Das scheint bislang aber nicht sehr abschreckend zu sein.

Bild um Bild vermittelt Chat Roulette Einblicke in fremde Wohnzimmer.

In kurzer Folge erscheinen zwei männliche Nutzer, die schnell weiterspringen – diese Art von Ablehnung ist ebenso schnell wie schroff. Es lohnt sich wohl nicht, der Frage auf den Grund zu gehen.

Aber Chat Roulette ist nicht nur der nette Besuch beim Fremdling auf der anderen Seite der Erde.

Schon gibt es die ersten Hinweise, dass einige Nutzer das System austricksen, indem sie kein Live-Bild von sich anzeigen, sondern ein Video in ihren Chat-Stream einspielen.

Oft zeigt das Videobild ein tristes Zimmer mit einem ebenso tristen Bewohner auf der Hoffnung auf eine kleine Flucht aus der Tristesse.

Eingerichtet wurde Chat Roulette von einem 17-jährigen Russen, Andrej Ternowskij, der in einem Blog der „New York Times“ erklärte, dass er Chat Roulette aus Spaß entwickelt habe, nachdem ihm Skype zu langweilig geworden sei.

Allein im Januar gab es nach Erhebungen von com Score bereits nahezu eine Million verschiedene Nutzer.

Zu jeder Zeit sind mehrere Zehntausend Nutzer gleichzeitig im Roulette und lassen sich überraschen, was ihnen der Zufall so auf den Bildschirm bringt.

Wegen des großen Andrangs habe er den Code immer wieder erneuern müssen, und mittlerweile laufe das System auf sieben Servern – alle in Frankfurt am Main.